Gaspar hat lange warten müssen

#31 von Maria , 08.05.2020 17:58

Ich habe einen Bericht für Instagram geschrieben, den ich hier auch einstellen möchte.


Ein Foto aus der Vermittlungsbeschreibung. Der Schönste war er nicht, aber irgendwie war er witzig.

Seit Ende November 2018 ist Gaspar aus Modepran bei uns. Ich hatte ihn schon seit 2015 als Favoriten, wir trauten uns allerdings dann doch nicht, einen erwachsenen Hund blind zu adoptieren und entschieden uns für einen Welpen einer anderen Organisation, der besucht werden konnte. Vergessen hatte ich ihn aber nicht und als wir uns nach einem Zweithund umschauten, entdeckte ich ihn wieder. Seit Mai 2013 war er immer noch im Tierheim, in das er mit ca. 1 Jahr kam., weil er im Park aufgefunden wurde.


Sogar auf einem Plakat wurde für Gaspar geworben - ohne Erfolg

Da es aber unsicher war, ob er mit unserem Ersthund auskommen würde, entschlossen wir uns, ihm erstmal nur die Fahrkarte ins Eckertal zu verschaffen. Bernhard schaute sich Gaspar noch in Spanien an und schilderte ihn als sehr freundlich, er würde es bloß nicht mögen, wenn schreiende Kinder auf ihn zurennen. Das hörte sich gut an.


So sah Gaspars Leben in Spanien aus

Im Eckertal besuchte ich ihn zweimal allein, um die Hundegerüche zu übertragen und tatsächlich begrüßten sich die beiden Hunde wie alte Bekannte. Als wir ihn dann mitnahmen, kletterte er regelrecht panisch in den Kofferraum und wimmerte die ganze Fahrt über vor sich her. In den ersten Tagen kontrollierte ich anhand der Internetfotos und der Fellzeichnung, ob er wirklich der beschriebene Hund war. Die Hüftknochen waren harte Huckel, die Augen standen hervor, das Gesicht war eingefallen und die Atemfrequenz war stark erhöht. Es dauerte Wochen bis sich das besserte.
Außerdem hatte er m.E. noch lange Flashbacks. Wenn er einen Ball hatte, kaute er wie in Trance darauf rum, starrte mit einem stieren, verlorenen Blick nach vorne und bekam nichts von der Umgebung mit. Auch jetzt nach so langer Zeit gibt es einen Ball nur selten und kurz – es tut ihm nicht gut, auch wenn er darauf ganz wild ist. Wegnehmen geht nicht, nur Weglocken und dann den Ball wegschnappen. Erst dann ist er wieder normal.


Inzwischen ist der Blick ohne Panik

Die ersten drei Wochen habe ich auf einem Gästebett in voller Montur geschlafen, Gaspar auf einem Fell neben mir, um sofort mit ihm in den Garten gehen zu können. Er war es ja gewohnt, sich jederzeit lösen zu können und der nächtliche Schlaf wurde etappenweise genossen. Grundkommandos waren ihm völlig unbekannt und „Platz“ machte er erst nach etwa einem halben Jahr, denn für diese Haltung braucht es viel Vertrauen! Er reagierte lange auch nicht auf seinen Namen.
Gaspar war ziemlich schnell stubenrein, er klaut nichts vom Tisch, wühlt nicht im Müll, macht nichts kaputt außer den Schmusetieren, ist nicht futterneidisch, hat keine Angst vor Männern. Er ist gehorsamer als unser Ersthund Johnny und lässt sich zumeist besser abrufen. Angst vor Einbrechern brauchen wir auch nicht mehr zu haben, Gaspar meldet. Unser Johnny ist ein großer Feigling und würde sich verdrücken. In vielen Dingen also ein Traum! Aber: Man hatte uns im Eckertal gewarnt, er hatte geschnappt. Nun, er tut es noch immer, wenn ihm etwas nicht passt. Die Beschreibung aus Spanien hatte von Besuchen in sozialen Einrichtungen gesprochen - aber das war bestimmt sehr lange her! - und bei den vielen Hunden wird auch selten ein Update gemacht. Auch jetzt noch darf man ihn nicht einfach so streicheln, schon gar nicht wenn er liegt und ruht. Dieses Problem konnte natürlich im Tierheim gar nicht beobachtet werden, da sind alle Hunde aufgeregt, wenn sich ein Mensch nähert und ersehnen nur Streicheleinheiten. Das Geschirr ließ sich Gaspar bestimmt auch gerne anlegen, wusste er doch, dann geht es raus. Und über sein Verhalten beim Tierarzt wurde nichts berichtet – wir wissen jetzt auch, warum. Er ist in den langen Jahren sehr eigenständig geworden und anderenfalls hätte er die Jahre vielleicht auch nicht überstanden. Die Generaluntersuchung beim Tierarzt ging nur unter Narkose und das Maulkorbtraining zieht sich hin. Es ist noch ein langer Weg, aber Stückchen für Stückchen legen wir ihn zurück. Inzwischen können wir ihm Dreck aus dem Fell zupfen ohne ein Streicheln vorzumachen und er lässt sich - vorsichtig! - zur Seite schieben wenn ich wieder mit auf die Bank möchte. Und wenn er im Streichelmodus ist, gibt es kein Ende.


Sie raufen sich zusammen

Am Anfang ging hier durchaus die Post ab und die beiden Hunde tobten wild durch Haus und Garten, wohl auch um die Rangordnung festzulegen. Seitdem die geklärt ist, tobt er mit unserem Johnny nicht mehr herum, aber bei der Mäusejagd sind sie ein eingespieltes Team, und wehe dem, der "seinem" Johnny etwas antun will. Gaspar ist sofort zur Stelle und unterbindet alles allein durch seine Präsenz.


Glücklich beim Freilauf


Wo sind nur die Mäuse?

Kurz gesagt: Es ist nicht einfach mit Gaspar aber sehr, sehr schön. Ich würde ihn immer wieder adoptieren. Für fünfeinhalb Jahre Tierheim von ca. siebeneinhalb Lebensjahren ist Gaspar ein toller, liebenswerter Hund zwar mit kleinen Macken, aber die haben wir auch. Mit der Sieben-Jahre-Rechnung hätte man ein ca. 11-jähriges Kind bis zum 52. Lebensjahr ins Heim gesteckt. Ich kann mir nicht ausmalen, was das mit mir gemacht hätte! Also adoptiert auch die älteren, vergessenen Hunde und habt Geduld!


Endlich ein lebenswertes Leben!


 
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RE: Gaspar hat lange warten müssen

#32 von Inke , 13.05.2020 00:21

Liebe Maria 😘da hast Du aber einen ganz tollen Bericht für Instagram über Gaspar geschrieben . Sehr ehrlich, ungeschminkt 👍 Super das Du auf die etlichen Probleme hingewiesen hast , welche so oder so entstehen können. Das es nicht immer „ einfach „ easy ist und man viel Geduld braucht , damit ein Hund 🐕, der so lange Zeit seines Lebens im TH saß, sich richtig entspannen kann . Auch die evtl. Auseinandersetzungen mit einem bereits vorhandenen Ersthund dürfen nicht verkannt werden. Greift der Mensch immer ein wird ja „ eher „ eine Verstärkung hervorgerufen „ . Es sind viele sogenannte „ Baustellen „ manchmal zu berücksichtigen. Wichtig ist NICHT aufzugeben, sich Hilfe zu suchen 😃 Ihr macht das ganz toll mit Caspar und viele Anfangsprobleme sind schon durch Euch gelöst worden.

😘😘😘Lg Inke

 
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Gaspar hat lange warten müssen

#33 von Carola Dierkes , 13.05.2020 09:55

Wow, dein Bericht hat mir die Tränen in die Augen getrieben und ich bin so froh, dass ihr nicht zu der "Aufgebfraktion" gehört habt.
Es ist wirklich schwierig, wenn man einen Hund mit Altlasten bekommt und nicht jeder kann damit umgehen.

Ich hatte inzwischen schon mehrere Hunde, die Anfangs auch mal geschnappt haben und ich muss immer aufpassen, dass ich dann keine Unsicherheit zeige.
Durch die vielen Pflegehunde habe ich natürlich auch schon eine ganze Menge Erfahrung gesammelt und so lasse ich die Hunde in der ersten Zeit erstmal in Ruhe ankommen. Durch das Füttern und meine Stellung bei den anderen Hunden merken die Neuankömmlinge recht schnell wer bei uns das "Sagen" hat.

Ihr habt das toll gemacht und am Schönsten finde ich, das du geschrieben hast, dass Du ihn immer wieder adoptieren würdest - auch mit dem jetzigen Wissen.


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RE: Gaspar - Ein Hund, zwei Seelen

#34 von Maria , 14.05.2020 18:42

Heute im Hundegarten: Ich hatte immer gedacht, kastrierte Hunde könnten nicht mehr … Aber das stimmt nicht. Man lernt nie aus. Nun ja, der Nachwuchs bleibt aus, aber der Spaß ist da.


 
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RE: Gaspar hat lange warten müssen

#35 von Gelöschtes Mitglied , 16.05.2020 19:36

Super toller Bericht Maria 😍


RE: Gaspar hat lange warten müssen

#36 von Maria , 04.08.2020 12:34

Kurzer neuer Erfolgsbericht: Letztens konnte ich bei Gaspar während des abendlichen Streichelns eine vertrocknete Zecke vom Glied!!! abkratzen, die etwas an den Haaren klebte ohne das leiseste Knurren. Und beim Ballspielen ist er zunehmend weniger auf den Ball fixiert. Er läuft zwar immer noch noch mit dem Ball weg, wenn man sich ihm nähert, aber nie weit und lässt sich dann auch den Ball aus dem Fang nehmen! Er kaut auch nicht mehr ununterbrochen auf dem Ball rum sondern verliert, wenn man ihn nicht weiter beachtet, das Interesse am Ball und lässt ihn einfach liegen. Trotzdem haben wir ihn für die diesjährige Untersuchung mit Blutabnahme und Hautstanzung (er hatte einen Schorf an der Schwanzwurzel, der aber jetzt weg ist, Ursache unbekannt) sedieren lassen. Unsere Tierärztin meinte, dass das die richtige Entscheidung war, denn sonst wäre vieles, was wir erreicht haben, zunichte gemacht worden. Jedenfalls ist alles prima und ohne Befund! Wir lieben ihn!

 
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RE: Gaspar hat lange warten müssen

#37 von Inke , 05.08.2020 21:25

Sensationell liebe Maria 😍Diese kleinen Fortschritte machen soooo glücklich 😀 Caspar vertraut Euch immer mehr 🥰toll

 
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RE: Gaspar hat lange warten müssen

#38 von Petra Müller Greven , 05.08.2020 21:29

Ich finde das auch toll. Was Geduld und Liebe doch für Brocken bewegen können

 
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RE: Gaspar hat lange warten müssen

#39 von Maria , 09.08.2020 15:04

Endlich ist es mir gelungen, das Bild aus dem Handy zu übertragen. Gaspar klaute sich so lange die Tennisbälle, die als Schraubenschutz verwendet wurden, bis die Trainerin ihm einen nagelneuen Ball spendierte. Am Ende der Trainingsstunde rückte er den Ball ohne Probleme wieder raus, obwohl er ihn sichtlich liebte.

 
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RE: Gaspar hat lange warten müssen

#40 von Petra Müller Greven , 09.08.2020 15:17

Liebe Maria, das ist der Wahnsinn. Ich erinnere mich gut, dass es Gaspar nicht besonders gefällt, wenn das Bällchen abgenommen wird

 
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RE: Gaspar hat lange warten müssen

#41 von Maria , 10.08.2020 12:05

Nicht besonders gefällt ist stark untertrieben. Es sind jetzt knappe 20 Monate vergangen und wir sind noch nicht über den Berg, aber das Gipfelkreuz kommt langsam in Sicht. Ich hätte nie gedacht, dass ich so viel Geduld aufbringen kann, man lernt auch viel über sich selbst. Aber wenn wir damals aufgegeben hätten, hätten wir den Hund zerstört und das kam für mich überhaupt nicht in Frage. Allerdings denke ich, dass, wäre es unser erster Hund gewesen, die Angst bei mir überwiegt hätte. Es war also im Nachhinein gut, dass er noch eine Weile in Modepran war und wir an Johnny "üben" konnten. Inzwischen lässt er es auch zu, dass ihn fremde Leute kurz streicheln. Manchmal ist man einfach nicht schnell genug um das zu unterbinden und durch sein Aussehen ("der sieht aber niedlich aus", Antwort meinerseits "das täuscht") passiert es ab und zu. Aber er schenkt den Leuten dann nur einen total arroganten Blick und entzieht sich. Knurren tut er eigentlich nur noch um die beiden Dalmatiner meiner Nichte in die Schranken zu weisen.


 
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Gaspar hat viel Glück gehabt :-)

#42 von Carola Dierkes , 12.08.2020 11:47

Ich finde es immer wieder toll, solche Berichte zu lesen - von Menschen die nicht gleich aufgeben!
Die ihren "gebrauchten" Hund so lieben wie er ankommt....

Ich hoffe sehr, dass solche Entwicklungen auch anderen Mut machen nicht sofort aufzugeben,
sondern mit ihrem Tier zu arbeiten


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RE: Gaspar hat viel Glück gehabt :-)

#43 von Carola Dierkes , 03.06.2021 13:12

Heute habe ich mal 2 Bilder von Gaspar bekommen, die ich einstelle
Obwohl Maria das schon alleine kann 😂





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RE: Gaspar hat viel Glück gehabt :-)

#44 von Maria , 03.06.2021 13:26

Das kann ich aber nur vom PC aus. Wie das mit dem Handy geht, weiß ich nicht. Aber ich habe noch ein schönes Foto aus dem Dezember:



Allerdings sind wir beiden die Einzigen, die ihn streicheln dürfen. Leckerlis von "Fremden", dazu gehören auch Nichten, Brüder und unser Mütterchen, werden schon vorsichtig genommen. Aber Streicheln ist nicht, basta!


 
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RE: Gaspar hat viel Glück gehabt :-)

#45 von Carola Dierkes , 03.06.2021 13:27

😍 🤩 🥰
SÜÜÜÜSS


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